So, da bin ich wieder, um euch von meinen naechsten Tagen in Neuseeland zu berichten, die mit Abstand die aufregensten und anstrengensten waren.
Nach dem langweiligen Palmerston North bin ich mit dem `Naked Bus` in den `Tongariro National Park` gefahren und dort habe ich den, meiner Meinung nach, schoensten Tag in Neuseeland verbracht. Der Abend vorher hat schon gut angefangen. Im Hostel, das komplett im Nichts war, angekommen, habe ich zwei Oesterreicher auf meinem Zimmer kennen gelernt, die mich abends direkt mal zum Kaiserscharn essen eingeladen haben. Das war echt soooo lecker. Sie waren halt die absoluten Experten in der Zubereitung und mit den schneebedeckten Bergen, die man in der Ferne vom Fesnter aus sehen konnte, hab ich mich fast wie im Skiurlaub gefuehlt.
Der naechste Tag allerdings sollte nicht so entspannt und gemuetlich werden.
Der Tongariro Natinal Park ist einer der meistbesuchtesten Nationalparks in Neuseeland und das hat er seinen unglaublich beeindruckenden und immernoch aktiven Vulkanen zu verdanken. Das `Tongariro Alpine Crossing` ist eine Tagestour, die als `The World`s Best one Day Walk` beschrieben wird. Genau diese Tour wollte ich machen. Da das Wetter in den Bergen aber sehr abwechslungsreich und kalt ist, darf man nicht jeden Tag die Vulkane passieren. Oft ist es einfach zu windig. Ich habe ein Maedchen am Bus getroffen, die 2 Tage gewartet hat, weil das Wetter immer zu schlecht war. Ich hatte Glueck und durfte das Crossing machen. Es war zwar windig gemeldet, aber es war gerade noch ok.
Am naechsten Morgen ging es also ganz frueh los. Wir wurden von dem Hostel zum `Mangatetpopo Car Park` gefahren und sollten am Ende des Tracks, dem `Ketetahi Car Park` 19,4 km und 8 Stunden spaeter wieder abgeholt werden. Auf dieser Strecke sollten wir an 3 Kratern (South Crater, Red Crater und Central Crater) und diversen wunderschoenen blauen Seen vorbei kommen. Von 1100 Hoehenmetern am Anfang ging es auf 1900 am Red Crater und dann wieder runter auf 750 Hohenmeter.
Ich war hochmotiviert, voller Elan und der festen Ueberzeugung diese Herausforderung mit bravur zu meistern. Nach wenigen Metern hat mich schon Joris angesprochen. Er ist aus Holland, war auch vor Neuseeland in Australien unterwegs und wirklich sehr nett. Ich bin die gesamte Tour zusammen mit ihm gelaufen. Die ersten 5 Kilometer haben wir ziemlich schnell hinter uns gebracht. Es ging zwar gut bergauf, aber wir waren noch voller Kraefte und durch das ganze Erzaehlen ging die Strecke auch schneller rum als erwartet. Ziemlich bald waren wir an den `Soda Springs`. Das war aber nur eine Art winziger Wasserfall und deshalb nichts besonderes.
Die Landschaft war total faszinierend und besonders. Man hat gesehen, dass man sich in mitten von Vulkanen befand. Es gab kaum Pflanzen (nur kleine weisse Blumen, die direkt auf den grauen Vulkangesteinen gewachsen sind und leicht mit dem Schnee zu verwechseln waren), aber dafuer umso mehr Steine. Vulkangestein. Graues und schwarzes, loechriges, leichtes Vulkangestein. Es kam mir zwischenzeitlich vor als waere ich auf einem anderen Planeten, ich habe sowas vorher einfach noch nie gesehen. Es hat wirklich perfekt zu `Herr der Ringe` gepasst, das wurde naemlich auch hier gedreht. Zwischen den Bergen aus Steinen und Felsen gab es ab und zu auch kleine Schneefelder. Es war echt schoen.
Auf der Strecke gab es ausserdem noch zwei Sidetracks. Sie fuehren auf Vulkane und anschliessend wieder auf den normalen Track. Als Joris und ich an dem Schild ankamen, das den ersten Track auf den `Ngauruhoe Summit` markiert hat, war das Wetter richtig schlecht. Es war total windig, kalt und nebelig. Wir haben den Vulkan, auf den das Schild gezeigt hat absolut nicht gesehen. Trotzdem wollten wir eigentlich unbedingt den Gipfel erklimmen, weil man von oben in den Krater schauen konnte und auch hier Herr der Ringe gedreht wurde. Ausserdem ist der Vulkan schon 2500 Jahre aktiv und das bis heute, er ist 1975 das letzte mal ausgebrochen. Nach einer kurzen Pause, in der wir meine Kekse und seinen Energiedrink verzerrt haben, gings also los. Wir haben auch noch Sebastian getroffen, einen Deutschen. Jetzt waren wir zu dritt. Alleine haette ich mich niemals getraut den Vulkan zu erklimmen. Es gab naemlich keinen Weg, man musste einfach immer nach oben klettern und da wir `oben` nicht wirklich sehen konnten, war es eine echte Herausforderung.
Je hoeher wir kamen, desto steiler und anstrengender wurde es, weil man auf dem steinigen Untergrund absolut keinen Grip hatte. Ich hatte das Gefuehl mit jedem Schritt nach vorne auch einen halben zurueck zu machen. Es war wirklich richtig anstrengend. Aber je hoeher wir kamen desto klarer wurde es auch. Da es sehr windig war, konnten wir den Wolken zuschauen, wie sie an uns vorbei zogen. Es war echt atemberaubend. Auf der grauen steilen Flaeche gab es ebenfalls ab und zu Schneefelder. Wir konnten einigen Wanderern, die schon wieder auf ihrem Weg nach unten waren, dabei zuschauen, wie sie auf den Schneefeldern nach unten gerutscht sind. Das sah echt witzig aus und sie wurden richtig schnell.
Die letzten Meter waren die haertesten, weil es so windig wurde, dass ich regelmaessig umgeblasen wurde. Und da der Wind immer seine Richtung geaendert hat, konnte man sich absolut nicht auf ihn einstellen. So sind wir auf allen Vieren gegen den Wind und die Schneeflocken kaempfend, die einem wie beim Skifahren ins Gesicht gebrasselt sind, oben angekommen. Wir haben fuer den Aufstieg auf 2287 Meter fast 3 Stunden gebraucht. Aber es hat sich absolut gelohnt. Die Aussicht war wohl die Schoenste, die ich je gesehen habe. Wir waren schon lange ueber den Wolken und inzwischen gab es fast keine mehr, d.h wir konnten den `Blue Lake` und die anderen Vulkane hier sehen. Es war wunderschoen.
Man konnte leider nicht stehen, weil der Wind zu stark war und auch das `in den Krater schauen` hat sich als schwieriger heraus gestellt als gedacht. Jedesmal wenn ich versucht habe ueber den Kraterrand zu linzen wurde ich nach hinten umgeblasen und da die Vulkangesteine sehr scharfkantig waren, war das jedesmal ziemlich schmerzhaft. So waren wir nur ungefaehr 10 Minuten oben. Es war einfach zu anstrengend sich auf der Erde zu halten.
Fuer den Rueckweg haben wir dann nur noch eine Stunde gebraucht, weil man wegen dem lockeren Vulkangestein einfach runter gerutscht ist. Leider war es oft sehr schmerzhaft, weil man oft zu weit gerutscht ist und auf dem Hintern gelandet ist. Mit zerkratzten aufgeschnittenen Haenden, 2 Kilo Steinen in jedem Schuh und schmerzenden Steisbeinen sind wir aber zu tiefst stolz unten angekommen. Wir waren uns einig, dass das das absolute Highlight der Tour war.
13 Kilometer lagen noch vor uns und in 2 Stunden sollte der Bus zurueck zum Hostel fahren. Das konnten wir nicht schaffen, vorallem weil uns der `Ngauruhoe` wirklich ziemlich zugesetzt hatte.
Wir haben also beschlossen den Rest gemuetlich abzulaufen. Zu unserem Bedauern ging es noch einige Male bergauf, aber an sich hat sich wirklich jeder Hoehenmeter gelohnt. Am Red Crater hat es ueberall nach Schwefel gestunken, an manchen Stellen hat es gedampft und die Steine waren heiss. Es war wirklich faszinierend und sehr interessant. Die `Emerald Lakes` und der `Blue Lake`, an denen wir auch noch vorbei kamen, waren wunderschoen. Sie waren richtig tuerkis und haben zu den grauen Vulkanen einen unheimlich starken Kontrast gebildet.
Die letzten Kilometer waren die haertesten, weil ich mit meinen Kraeften wirklich absolut am Ende war und sie sich auch echt gezogen haben. Es ging den Berg in Serpentinen nach unten. Es war schoen hier, aber gegen den Rest der Landschaft auf dem Crossing echt langweilig.
Ich war so froh als wir an dem `Ketetahi Car Park` angekommen sind. Leider war es aber schon halb 7 und unser Bus somit seit 2 Stunden weg. Wir waren total fertig. Ich hatte schon Muskelkater beim Laufen bekommen, das hatte ich noch nie, aber trotzdem mussten wir irgendwie ueber unsere Verspaetung lachen.
Das Hostel war 40 km weg und da uns jeder Meter schon zu viel war, haben wir beschlossen zu trampen. Das hat auch unerwartet gut funktioniert. An der Strasse am Parkplatz kam zwar eine halbe Stune kein Auto vorbei, weshalb wir unsere Essensreste am Rand der Strasse verzerrt haben, aber das erste Auto das dann kam, hat direkt gehalten. Der Mann hatte nur noch 2 Sitzplaetze frei, aber trotzdem hat er uns mitgenommen. Er hat uns zur naechst groesseren Strasse gefahren, wo nach 5 Minuten ein Schweizer angehalten hat, der uns bis zum Hostel gefahren hat. 3 Stunden nach allen anderen kamen wir also auch endlich an. Die zwei Oesterreicher aus meinem Zimmer hatten am Tag davor noch damit geprahlt beide Sidetracks laufen zu wollen. Der zweite war zwar nicht so hoch, aber im Fuehrer trotzdem mit 2 Stunden Laufzeit angekuendigt. Ich war mir absolut sicher, dass sie nicht beide Sidetracks gelaufen sein konnten und trotzdem 2 Stunden frueher fertig waren als wir.
Frustrierenderweise hab ich mich da leider geirrt. Der Oesterreicher, der uebrigens Skilehrer ist, meinte, die Tour waere ja voll einfach gewesen und er haette fuer den ersten Track 2 Stunden und fuer den zweiten 1 Stunde gebraucht. Das war echt peinlich, wir haben fuer den einen schon 4 Stunden gebraucht und waren eigentlich der festen Ueberzeugung gewesen schnell gelaufen zu sein. Naja, davon wollten wir uns nicht runter ziehen lassen. Wir waren stolz auf uns und Joris meinte ueber die Oesterreicher nur : `They have to be so fast. They are used to mountains`. Dem hab ich absolut zugestimmt und bin mit schmerzenden Beinen und Fuessen und absolutem Stolz tot ins Bett gefallen.
Naechstes mal gibts noch mehr Adrenalinschuebe. Bis dahin, wuensche ich euch endlich ein bisschen Schnee und eine schoene und besinnliche Weihnachtszeit.
P.S. Geniesst die Plaetzchen, die Lebkuchen, den Gluehwein und die guten Suessigkeiten, das gibts hier naemlich alles nicht :(
Eure Franzi
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