Dienstag, 15. November 2011

Central Australia

G` Day Mates :),

Nachdem ich eine Woche mit Volker im Outback unterwegs war, war ich jetzt im richtigen Outback angekommen. Obwohl, eigentlich war ich ja in Alice Springs, aber um diese Stadt im Zentrum Australiens ist eben sonst gar nix.
Die ersten drei Tage in Alice Springs gingen ziemlich langsam rum.
Ich musste mich zwar von Volker trennen, aber jetzt war ich ja wieder mit Basti zusammen. Es war schoen ihn wieder zu sehen und voll interessant zu hoeren, was er so erlebt hatte. Viel zusammen unternommen haben wir aber ausser zu kochen und zu labbern nicht, weil ich die naechsten zwei Tage leider krank war. Ich war nur froh, dass das ich nicht im Outback krank geworden bin, das waere richtig doof gewesen. So war ich also mehr oder weniger in dem Hostel fest gesessen. Das war aber gar nicht sooo schlimm, denn nach all den Horrorgeschichten, die ich ueber Alice Springs gehoert hatte, wollte ich sowieso nicht so viel machen.
 
Alice ist die gefaehrlichste Stadt in ganz Australien, weil es dort so viele Aborigines gibt. Die meisten von ihnen haben Alkoholprobleme und werden unter dem Einfluss von Alkohol aggressiv. Man hoert wirklich auch tagsueber immer  irgendwelche Aborigines streiten, die schreien echt immer voll rum. Ich hatte sogar Angst zum Supermarkt zu laufen, und das mitten am Tag und obwohl der voll nah war. Naja, also ich war zwar krank aber ich hatte nicht das Gefuehl etwas zu verpassen.

Am vierten Tag in Alice Springs hab ich ausser ein bisschen Blog schreiben auch nicht viel gemacht und so hab ich beschlossen, dass ich genug von der Stadt hab und endlich wieder weg will. Ich hatte bisher niemanden gefunden, der nach Adelaide faehrt. Ich hatte gehofft jemanden mit Auto zu finden, der weiter in den Sueden will und dabei vielleicht (so wie ich) auch den Uluru mitnehmen moechte. Da das aber nicht geklappt hat, hab ich halt doch wieder eine Tour gebucht. Man kann ja nicht in Alice Springs fest sitzen und den ganzen Stuart Highway abfahren ohne am Uluru gewesen zu sein.
Karmen, unser Tourguide hat uns wie vereinbart am Donnerstag Morgen um 6 Uhr am Hostel abgeholt. Der Uluru ist 300 km weg von Alice, d.h. wir hatten eine lange Fahrt vor uns. Das fand ich gar nicht so schlimm, so konnt ich naemlich noch ein bisschen schlafen. Wir haben immer mal wieder zwischendrin angehalten. Karmen musste erstens voll oft tanken und wir natuerlich ganz oft aufs Klo. Sie war voll cool. Als sie morgens mit diesem fetten Grinsen und einen super gut gelauntem lauten : `Heeeeey, how are youuuuuuu?` aus dem Bus gesprungen ist, war ich, morgenmuffelig wie ich bin, zwar irgendwie ein bisschen genervt, aber umso wacher ich wurde um so netter fand ich sie. Sie hat die ganze Zeit irgendwelche Sachen an die Windschutzscheibe gekritzelt. Oben rechts in der Ecke stand: `My name is Karmen`. Links oben hatte sie hingeschrieben:

If it rains : Dance in it!
If there`s dust: Roll in it!
If there`s a snake : kuddle it!

Ausserdem war ihr Lieblings Aborigine Wort : Tjaka, was soviel heisst wie `Just the Way it is!` Das ist wohl eine sehr haefig genutzte Begruendung bzw. Erklaerung der Aborigines und Karmen hat das sehr gerne uebernommen :)

Die erste Haelfte von der Fahrt ungefaehr haben wir alle geschlafen. Dann wollte Karmen, dass wir uns alle besser kennen lernen. Also mussten wir nacheinander zu ihr nach vorne kommen und etwas ueber uns erzaehlen. Sie hat aber den Anfang gemacht. Sie ist aus Australien, aber eine wirkliche Heimat hat sie nicht. Sie ist in Sydney geboren, aber war nie lange an einem Ort. Ihre Familie ist anscheinend alle paar Jahre /Monate umgezogen. So lebt sie also den typischen australischen Lifestyle: Sie hat eigentlich keine Ahnung was sie mit ihrer Zukunft anfangen soll (sie war 27 oder so) und arbeitet mal hier und mal da, um so ueber die Runden zu kommen. Das ist so unvorstellbar in Deutschland. Ausser der Herkunft haben wir auch noch ueber unsere Aengste, Camping Faehigkeiten/ Erfahrungen (da konnt ich natuerlich punkten^^), Lieblingsplatz in Australien, unseren Job und unsere Hobbys berichtet. Ich war die einzige Deutsche (was bei einer Gruppenstaerke von 9 Leuten sehr ungewoehnlich ist). Zwei Paerchen waren aus England, ein Typ aus Vietnam, ein Australier und Liezelot aus Holland. Mit ihr hab ich mich gleich gut verstanden. Sie war im selben Hostel wie ich und ebenfalls alleine unterwegs und so haben wir uns schon morgens bevors los ging getroffen.

Die Gruppe war so aber noch nicht komplett. Am Flughafen beim Uluru haben wir noch ein deutsches Ehepaar (die fand ich voll unsympathisch), eine andere Deutsche, Bettina, die gerade fuer einige Monate zum studieren und reisen in Australien ist/ war, einen Typ aus Frankreich, der aber einige Jahre in Deutschland gewohnt hat und deshalb fliessend deutsch gesprochen hat (voll beneidenswert 3 Sprachen fliessend zu sprechen) und zwei Franzosen, abgeholt. Damit war das deutsch- andere Nationen- Verhaeltnis wieder wie ich es gewohnt war. Mit Bettina hab ich mich gleich gut verstanden. Sie, Liezelot und ich waren ziemlich schnell ein Trio :) Das deutsche Ehepaar war voll strange. Erstens sahen die schon so voll deutsch aus, mit ihrer viel zu perfekten Ausruestung und die Frau hat kein Wort Englisch gesprochen, was ja an sich nicht schlimm ist, aber dadurch hat sich ihr Ehemann, der natuerlich immer uenbersetzen musste, total toll gefuehlt. Er war mir einfach von Anfang an total unsympathisch. Lustigerweise hat Bettina unabhaengig von mir genau das selbe gesagt :)

Als erstes waren wir im `Aboriginal Cultural Centre`, dass fast neberm Uluru war. Dort gab es einige Infos ueber die Aborigines, die seit Tausenden von Jahren am Uluru und in der Umgebung leben. Am coolste dort fand ich das `Sorrybook`. Ein Buch, dass aus hunderten von Briefen besteht, die von Leuten sind, die als Andenken an den Uluru einen Stein oder Sand mit nach Hause genommen haben, dann irgendwie mit irgendetwas Pech hatten, ihr Andenken dafuer verantwortlich machen und es mit samt einem Entschuldigungsbrief zurueck nach Australien schicken. Jede Woche bekommt das Infocenter im Schnitt 8 Briefe von der ganzen Welt. Das ist so krank. Da passiert irgendwas schlimmes und der Stein ist schuld. Naja, war sehr amuesant sich ein paar Briefe durchzulesen. Dann gings endlich an den Uluru. Karmen hat uns zuerst einige Infos gegeben. Zum Beispiel warum die Aborigines nicht wollen, dass man den Uluru besteigt. Fuer sie gibt 3 Gruende. Erstens die kulturellen Gruende. Fuer die Aborigines ist der Uluru heilig und Karmen meinte ihn zu besteigen ist genau so respektlos wie zum Beispiel in einer Kirche auf den Altar zu spucken. Zweitens die Sicherheit. Bisher sind 35 Menschen am Uluru umgekommen. Die Aborigines fuehlen sich dafuer verantwortlich und schuldig und trauern, wenn so etwas passiert. Und drittens die Umwelt. Man sieht richtig den Weg an dem alle hochlaufen, weil der Stein da schon voll abgelaufen ist. Ausserdem gibt es auf dem Uluru natuerlich keine Toiletten und anscheineind gab es schon einige Leute die sich dort leider trotzdem entlehrt haben. Da bekommt man bei Regen wohl ab und zu zu spueren. Aus diesen Gruenden ist der Aufstiegspfad fast immer geschlossen. In der Nacht, im Sommer, bei Hitze, Regen, Wind, Wolken und diversen anderen Gruenden. Ausserdem hab ich erfahren, dass der Uluru zum Weltnatuererbe gehoert und das sogar doppelt, wegen seinem kulturellen und seinem natuerlichen Wert.

Dann sind wir den `Mala Walk` gelaufen. Das war voll interessant. Jede Spalte, jedes Loch, und jedes Schlitz hat fuer die Aboriginers eine Bedeutung und hinter allem steckt eine Geschichte. Karmen hat uns einige davon erzaehlt. 

Mit der Kultur der Aborigines ist es voll kompliziert. Es ist nicht so wie in anderen Religionen, dass man alles im Internet nachlesen kann. Bevor die Weissen gekommen sind gab es ueber 200 Staemme in ganz Australien und jeder von ihnen hatte seine eigene Sprache. Die Aborigines haben aber keine Schriftsprache und so wurde alles immer nur muendlich weiter gegeben. Die Europaer haben dann angefangen alles aufzuschreiben und den Aborigines eine Schritsprache gegeben, aber trotzdem gibt es nicht viel Infos zum Nachlesen. Karmen hat uns erklaert, dass das mit den Infos ganz anders wie bei und ist. Wir sind neugierig und stellen ganz viele Fragen, wir wollen alles wissen und kennen keinen Grund, warum wir etwas nicht wissen sollten. Die Aborigines sind anders. Sie lehren nach Zeit. Man erhaelt bestimmte Informationen (zum Beispiel Geschichten) erst, wenn sie einen fuer reif halten. Und das dauert Jahre. Karmen beschaftigt sich mit ihnen seit ueber zwei Jahren und sie meinte, sie sei noch im Kindergarten. Es wuerde ewig dauern bis sie ein paar mehr Geschichten hoeren wuerde und alle wird sie wohl niemals kennen. Die Aborigines kennen ausserdem keine Zeit, sie hatten keine Zeit bevor die Europaer kamen. Es ist einfach so anders und irgendwie unvorstellbar fuer uns. Aber ich finde es voll faszinierend und fand es echt total interessant was Karmen so erzaehlt hat.

Danach durften wir noch komplett um den Uluru laufen. Das haben wir natuerlich getan, nur leider hat es angefangen zu regnen. Naja, war trotzdem ganz cool. Der Sonnenuntergang ist damit aber leider auch ins Wasser gefallen. Es war so bewoelkt, dass man den Uluru fast gar nicht gesehen hat und die Sonne war natuerlich auch nicht zu sehen. Es war einfach nur ein grosser grauer Fels. Naja, wir hatten ja noch den Sonnenaufgang auf den wir gehofft haben. Abends im Camp gabs dann ertsmal was zu Essen.
Zufaelligerweise war Volker auch grade am Uluru, das hat er mir per SMS geschrieben. Als ich ihn dann angerufen hab, haben wir rausgefunden, dass er sogar am gleichen Campingplatz war und so haben wir uns dann dort nochmal getrofen. Es war ganz schoen ihn wiederzutrefen. 

Die Nacht war dann allerdings ziemlich kurz und nicht sehr gemuetlch. Wir haben in Swags geschlafen, das sind schlafsackaehnliche Saecke, die aber wasserdicht sind und in die man sich mit dem normalen Schlafsack reinlegt. Sie waren voll alt und verdreckt. Ich war nur froh, dass ich meinen eigenen Schlafsack hatte, die Schlafsaecke die von der Tour gestellt wurden sahen naemlich nicht besser aus. Durch den Regen war der ganze Boden nass. Wir hatten zwar ein Dach, aber es war eben zu allen Seiten offen. Liezelot, Bettina und ich waren bei der Platzvergabe zum Glueck ziemlich schnell und haben uns die besten Plaetze auf den Tischen geschnappt. Die andern lagen auf dem nassen Boden. Um 5 gings dann aber auch schon weiter. Karmen hat uns geweckt und irgendwie hat sie dann voll rumgestresst. Wir hatten nur gefuehlte 10 Minuten Zeit, um unser `Bett` zu verpacken und uns fertig zu machen. Total gestresst und schweisgebadet sass ich dann also um 10 nach 5 wieder im Bus und es ging zum Uluru, um den Sonnenaufgang zu betrachten. Der war aber auch nicht besser als der Sonnenuntergang. Das hat mich total geaergert. Das gibts doch nicht. Dann faehrt man schon in die Wueste, wos ungeaehr 3 Tage im Jahr regnet und dann erwischt man auch noch 2 von diesen Tagen. Echt nervig. Wir haben uns also den wolkenbedeckten grauen Felskoltz angeguckt und haben uns schoen vollregnet lassen. Dann gabs Fruehsteuck. Das war ganz ok.

An diesem Tag waren die `Kata Tjuta`, die Olgas unser Ziel. Das sind 36 Felskuppeln, die 500 Millionen Jahre alt sind. Es gibt dort ganz viele tiefe Taeler und steile Schluchten. Wir sind den Hauptwanderweg `Valley o the Winds Walk` gegangen. Er war zwar nur 7,4 km lang aber dadurch, dass es so auf und ab ging ziemlich anstrengend. Auf dem Weg hat und Karmen noch erklaert wie der Uluru und die Olgas entstanden sind (war ganz interessant, aber es wiederzugeben ist jetzt zu viel). Faszinierend ist auf jeden Fall, dass der Uluru nur ` die Spitze des Eisbergs` ist, wenn man das so sagen kann. Er ist zwar 348 Meter hoch, aber die restlichen 2/3 sind sind unter der Oberflaeche.

Von den Olgas hat man teilweise voll die schoene Aussicht gehabt. Der Weg hat mir wirklich mehr Spass gemacht als am Tag zuvor 10 km um den Uluru zu laufen. Und es hat sogar aufgehoert zu regnen. Mittags gabs dann Raps zur Staerkung und dann sind wir wieder ganz viel Bus geahren. Am letzten Tag gings naemlich zum `Kings Canyon` und der war nochmal ca. 5 Autostunden entfernt.

Am Zeltplatz angekommen war das Wetter dann viel besser. Wir sind auf einen kleinen Huegel gelaufen und haben uns endlich den Sonnenuntergang angeschaut. Und der war hier wunderschoen. Nur leider gabs weit und breit keine roten Felsen oder Berge, die besonders toll haetten leuchten koennen. Naja, ich hab es trotzdem voll genossen. Dann hat Karmen wieder fuer uns gekocht, wir haben ein Lagerfeuer gemacht (das Holz hatten wir vorher mitten in der Wueste gesammelt) und ein bisschen erzaehlt. Es war ein sehr schoener Abend. Diesmal konnten wir auch unter dem Sternenhimmel schlafen.Ich lag direkt am Lagereuer. Es war echt kuschelig warm und ich konnte beim ins Feuer starren einschlafen. Das war schoen. Wir sind aber wieder frueh raus, weil wir den Sonnenaufgang am Kings Canyon sehen wollten. Nach einem hektischen Fruehstueck noch direkt am Campingplatz gings dann dort hin. 

Der Kings Canyon ist eine 270 m tiefe Spalte und der Weg, den wir gelaufen sind beginnt mit dem `Heart Attack Hill` (Karmen hat diesen Namen erfunden, weil er ganz steil rauf geht), den Aufsteig sozusagen, dann laeuft man am Schluchtenrand entlang bis man zum `Garden of Eden` kommt, der in der Schlucht ist und wandert dann durch ein Labyrinth aus bienenkorbartigen Felskuppeln. Es war ein wunderschoener Weg und mein absolutes Highlight von dieser Tour. Um 6 Uhr hatten wir schon den Aufstierg hinter uns und haben die Sonnen ueber der Schlucht aufgehen sehen. Es war echt magisch, total schoen. Fuer die 6 km Weg haben wir auch 3 Stunden gebraucht, weil Karmen immernoch so viel erzaehlt hat und wir so viele Bilder gemacht haben. Es war echt hammer schoen. Leider waren nur meine Fuesse total kaputt. Ich hatte nach dem ersten Tag total fette Blasen an den Fersen, die am zweiten Tag nur noch schlimmer wurden, weil die Pflaster, die ich drauf hatte voll Sand waren, der dann noch schoen gerieben hat und nachts bin ich auf dem Weg auf Klo auch noch ueber einen riesen Fels gefallen (meine Taschenlampe war kaputt) und hab mir den halben grossen Zeh abgerissen. So waren meine Fuesse eben komplett verbunden und es war echt nicht angenehm. Aber dadurch, dass wir so langsam gelaufen sind und durch die ganzen Endorphine hab ich da die meiste Zeit gar nicht dran gedacht. 

Das wars dann auch schon mit der Tour. Fast zumindest. Karmen hat uns alle wieder an unseren Hostels abgesetzt, aber abends haben wir uns im `Rock Cafe` alle wieder getroffen. Es war zwar noch nicht Halloween (es war der 29.), aber trotzdem gab es dort eine Halloween Party. Es war auch ganz cool. Einige Gruppen haben etwas aufgefuehrt und Karmen war total krank verkleidet. Es war echt witzig. Die Heimahrt war dann allerdings total bekloppt. Das Hostel war ca. 500 vom Pub weg, aber trotzdem sind Liezelot und ich mim Taxi heim gefahren, weil alle meinten, es waere zu gefaehrlich, um heim zu laufen. Das hat mir dann nochmal vor Augen gefuehrt wie wenig ich Alice Springs mochte und obwohl mir die Tour richtig gut gefallen hat, wusste ich, dass ich hier bald weg will.

Davon beim naechsten mal mehr. Ich hab euch lieb.

Eure Franzi

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