Samstag, 17. März 2012

Adventure of my Life

Hallo meine Lieben,

ich habe zwar noch nichts von der gemeinsamen Reise von mir und David erzaehlt, aber wir sitzen gerade im Flugzeug auf dem Weg nach Hause und mir gehen einige Gedanken ueber mein letztes halbes Jahr im Kopf rum, die ich gerne aufschreiben moechte.

Am 16. Dezember letzten Jahres ging alles los. Zusammen mit Basti ging es ins ferne Australien. Am Anfang war alles neu und aufregend und unser Englisch war wirklich schlecht. Ich werde nie vergessen wie wir nach 48 Stunden Hinreise in Brisbane angekommen sind, uns an der Rezeption alles erklaert wurde und wir kein Wort verstanden haben. Wir bekamen unsere Schluessel, da wir aber nicht gecheckt hatten, was unsere Zimmernummer ist, mussten wir nochmal zurueck und erneut fragen. Ziemlich peinlich, aber so war das damals.

Ich weis, dass mir das heute nicht mehr passieren wuerde. Mein Englisch ist jetzt richtig gut und auch so hab ich mich veraendert und weiter entwickelt. Das halbe Jahr hat mir wirklich unheimlich viel gebracht.

Nach der ersten Einlebungswoche ging es weiter die Ostkueste nach oben. Nach Fraser Island und Hervey Bay hab ich mich dann auch von den Jungs getrennt und war jetzt auf mich alleine gestellt. Das war wirklich eine Herausforderung. Ich musste mich komplett alleine um Dinge kuemmern, ueber die ich zu Hause nicht einmal nachgedacht habe. Ploetzlich kamen Fragen auf wie: Was koche ich heute Abend? Was muss ich also einkaufen? Wo ist ueberhaupt der Supermarkt? Wann muss ich wieder waschen? Und wie finde ich einen Job?

Ich weis, dass ich alle Herausforderungen gemeistert habe und darauf bin ich sehr stolz.

Bis nach Cape Tribulation ganz im Norden bin ich alleine gereist, habe unheimlich viel gesehen, unternommen und erlebt. Die reiche Tierwelt in Australien ist wirklich sehenswert und sehr besonders. Vorallem das Great Barrir Reef, wo ich schnorcheln und tauchen war, hatte es mir total angetan. Ausserdem war ich surfen, angeln, Motorboot fahren, wandern, segeln, ganz viel feiern und skydiven. Das war wohl die groesste Herausforderung und ein hammer geiles Gefuehl.

Nach der Ostkueste bin ich das erste Mal alleine geflogen, und zwar nach Darwin. Dort haben mir die Hitze und die ganzen Stechmuecken zu schaffen gemacht, trotzdem hat es mir gut gefallen.
Mit Volker gings anschliessend ins Outback. Diese Zeit war absolut eine meiner liebsten hier in Australien. Wir waren mit seinem Auto unterwegs, hatten wirklich kaum etwas mit und trotzdem ging es uns super gut. Wir hatten total viel Spass und haben richtig viel gesehen. Obwohl wir nie weit vom Stuart Highway entfernt waren, war die Landschaft dort sowas von unberuehrt und menschenleer, absolut sehenswert. Ich musste links fahren lernen und hatte auch kaum Kontakt nach Hause. Es war wirklich wie in einer anderen Welt und ein richtiges Abenteuer.

Ein bisschen gruseliger wurde es dann in Alice Springs wegen der ganzen Kriminalitaet dort, deshalb hat es mir auch nicht so gut gefallen. Auch der Ayers Rock war nicht so beeindruckend wie ich ihn mir vorgestellt habe, dafuer aber der Kings Canyon. Dort oben zu sitzen und ueber dem roten Kraterrand die Sonne aufgehen zu sehen war absolut magisch. Das war so ein Moment, bei dem man ploetzlich von Gluecksgefuehlen durchstroemt wird, man sitzt einfach nur da und ist unglaublich gluecklich.

Ueber das schaebige Coober Pedy gings nach Adelaide. Mein Favorite dort war Kangaroo Island. Wie immer hatte ich richtig Glueck mit meinem Couchsurfer, er hat mir die ganze Insel gezeigt. Das Couchsurfen war eh super interessant, weil es die beste Moeglichkeit war endlich mal Australier kennen zu lernen. Ich konnte eine Kostprobe von dem original australischem Leben nehmen und von dem was ich da erfahren habe, bin ich immernoch begeistert. Diese Menschen leben so unterschiedlich im Vergleich zu uns Deutschen, die meisten Dinge sind nicht wichtig, nur die auf die es wirklich ankommt. Teilweise fand ich diese Einstellung zu extrem (ich bin eben doch immernoch deutsch), aber ich finde es wuerde Deutschland nicht schaden sich eine Scheibe von der Lebenslust, der Lebensfreude und der Gelassenheit abzuschneiden. Wir sind definitiv zu verklemmt und zu materialistisch.

Ich werde nie den einen Satz von Will vergessen, einem der interessantesten und weisesten Menschen, die ich je kennen gelernt habe. Ich habe mit ihm in seinem Waldhaus, dass er selbst gebaut hatte und das wirklich spartanisch eingerichtet war, gelebt. Jeden Morgen sind wir zum Strand gefahren (mistens war er eine Runde Surfen). Wir sassen also am Strand, die Sonne stand noch ganz weit unten am Himmel ueber dem Meer, der Strand war leer, die Voegel haben gezwitschert. Wir hatten nichts, aber es war wunderschoen, wir sassen einfach nur da und haben den Anblick genossen bis er auf einmal sagte: `Und was machen die reichen Menschen? Die fahren jetzt zur Arbeit!` Das hat sich richtig in mein Hirn gebrannt.
Er hatte sowas von Recht, aber so hatte ich das noch nie gesehen. Manchmal vergessen wir wieso das eigentlich alles machen, das zur Schule gehen und lernen und arbeiten und moeglichst qualifiziert werden, eigentlich machen wir das ja nur fuer genau solche Momente, Momente, in denen man das Leben spuert. Wenn interessiert es was fuer ein Auto wir fahren, was wir anhaben oder in was fuer einem Haus wir leben, an sich geht es darum gluecklich zu sein und das moeglichst immer.

Ich war froh diese Regel zur Zeit immer einhalten zu koennen und das hab ich auch gemerkt. Mir ging es richtig gut. Alle Stresssymptome und Wehwehchen, die ich zu Hause hatte waren/ sind weg.

Nach Adelaide hatte ich meinen zweiten Roadtrip vor mir und zwar mit Mick ueber die Great Ocean Road. Waere ich am Anfang meiner Reise mit ihm gereist haette mich seine Gleichgueltigkeit wohl zur Weisglut gebracht, doch inzwischen konnte ich damit unerwartet gut leben.

In Melbourne hab ich einige Tage bei Freunden von Gianni, meinem Chef aus Deutschland gelebt, bevor ich nach Neuseeland abgehoben bin.

Neuseeland hat landschaftlich noch einiges mehr zu bieten als Australien und ich habe in dem einem Monat, in dem ich dort war, richtig viel gesehen. Auf der Nordinsel bin ich alleine gereist und auf der Suedinsel zusammen mit Maggie und Esa.

Ueber die Haelfte meines Abenteuers war jetzt schon rum und ich habe Basti und Henrik wieder in Sydney getroffen. Mit ihnen und Pablo, Gutzler und Lars habe ich Weihnachten und Silvester verbracht. Das waren wohl auch die aussergewoehnlichsten Feiertage meines Lebens. Es war das erste mal, dass ich bei unserer `Weihnachtsabend – to – do – Reihenfolge` nicht mitgemacht habe. Ich habe es zwar vermisst, aber noch mehr habe ich es genossen, aus dieser Tardition einmal auszubrechen. Wir alle haben schoen gekocht, ewig gegessen und anschliessend gefeiert.
An Silvester hab ich das absolut ueberagendste Feuerwerk ueberhaupt an der Harbour Bridge gesehen und mit 20 000 Menschn gefeiert.

Nach einem weiteren Monat in Melbourne, in dem ich gearbeitet habe, um mein Konto wieder etwas besser aussehen zu lassen, war mein Abenteuer auch schon fast vorbei. Endlich habe ich aber David wieder gesehen, den ich sehr sehr vermisst habe. Wir haben es geschafft meinen Kreis zu schliessen, d.h. das fehlende Stueck von Sydney bis Brisane zu bereisen.

Ich habe also mehr gesehen, als erwartet und mir vorgenommen hatte und jetzt sitze ich schon wieder im Flieger nach Hause. Ich kann kaum glauben wie schnell das alles rum ging und was ich alles erlebt habe. Ich glaube so viel Menschenkenntnis und auch Kulturenkenntnis kann man nur durch so eine Reise gewinnen.

Ich sitze jetzt hier mit einem weinendem und einem lachendem Auge. Ich kann nicht wahr haben, dass ich jetzt wieder in den stressigen, pflichtenreichen und verantwortungsvollen Alltag einsteigen soll und dieses grosse Land voller Moeglichkeiten, Abenteuern und toller Leute hinter mir lassen soll, aber auf der anderen Seiten weiss ich, dass daheim ebenfalls so viele tolle Menschen warten, die ich wirklich sehr vermisst habe und unbedingt sehen will.

An dieser Stelle moechte ich mich bei all diesen Leute auch einmal bedanken. Ohne die Unterstuetzung und den Rueckhalt, die ich aus Deutschland bekommen habe, haette ich dass wohl nie durchgestanden. Australien ist eben ein grosses Land und wenn man alleine reist fuehlt man sich auch manchmal einsam, aber ich wusste immer, dass es zu Hause Menschen gibt, die an mich denken und die mich lieb haben. Das ist ein unheimlichschoenes Gefuehl.

Also danke an euch alle, ihr habt das `Adventure of my Life` ermoeglicht.

Ich hab euch lieb und freu mich darauf, euch in ein paar Stunden in die Arme schliessen zu koennen.

Eure Franzi

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